Auf dem Weg nach Le Mans 2016

Josephine Schüler und Gusta Feuerstein haben geholfen, ein paar Geschichten unseres Countdowns zu den  Meisterschaften zu übersetzen. Im Vorfeld auf die Senioren Welt- und Junioren Europameisterschaft 2016 haben wir Trainer und Athleten aus verschiedenen Nationen befragt, wie ihre Vorbereitungen auf das jeweilige Championat aussahen.

Juniorteam Montmirail (Schweiz) – Seit einem Jahr auf die EM hingearbeitet

Mit Siegen beim CVI Protogruaro (Italien), Moorsele (Belgien) und Bern (Schweiz) qualifizierten sich in diesem Jahr erstmalig für die Schweiz das Juniorteam aus Montmirial. Den Grundstein für die erfolgreiche Qualifikation legte die Longenführerin und Trainerin Mirjam Degiorgi. Bereits im Jahr 2015 erstellte sie einen kompletten Trainingsplan für die Saison 2016. Dieser sah die einzelnen Wettkämpfe als Meilensteine und als Ziel die Teilnahme an den Europameisterschaften. Detailliert wurde festgehalten, was von den einzelnen Turnerinnen zum jeweiligen Saisonzeitpunkt erwartet wurde. Zusätzlich gab es Trainingscamps und Lehrgänge unter anderem mit Daniel Kaiser, welcher die Kür mitgestaltete. Mit der erreichten Qualifikation zur Europameisterschaft ging der Plan auf und die finalen Vorbereitungen konnten starten.

Die letzten vier Wochen bevor das Team in Le Mans einlief, wurden ebenso durchgeplant wie die laufende Saison. Zunächst stand für die Sportlerinnen Urlaub auf dem Vorbereitungsplan. Dies resultierte daraus, dass die Teammitglieder sich größtenteils noch in ihrem wohlverdienten Sommerurlaub befanden. Gleichzeitig wurden die freien Tage dafür genutzt, den Gruppenpferden Zeit für Regeneration zu geben. Die Pferde wurden ausschließlich geritten. Dabei wurde das Reiten vielseitig genutzt und wechselte zwischen Reitplatztraining, Gelände und Rennbahn um die Pferde optimal auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten. Nach dieser Regenerationszeit wurde mit leichtem Voltigiertraining begonnen, welches kontinuierlich gesteigert wurde und mit einem Trainingscamp den Abschluss fand.

Juniorteam Niederlande – Einmal im Monat zusammen trainiert

Geliehenes Pferd und Voltigierer, welche sich aus mehreren nationalen Vereinen zusammenfinden
ist nun schon ein vertrautes Konzept. Für ein Team aus Europa ist es jedoch eher unüblich. Dennoch bestand das niederländische Juniorteam aus einer Konstellation von Turnern, Pferd und Longenführerin aus dem ganzen Land. Einschließlich das Pferd Warnix, welches sich im Besitz von Kors va de Torren befindet und zum Championat von Daisy de Groot vorgestellt wurde.

Bereits seit zwei Jahren werden Wettkämpfe in dieser Konstellation bestritten. Das Team trainierte seit den Wintermonaten regelmäßig zusammen. Allerdings beschränkte sich die gemeinsame Trainingszeit auf eine Einheit im Monat. Ausnahme war die Wettkampfzeit, in der die Intervalle auf zwei Wochen verkürzt wurden. Die Vorbereitung für das Pferd bestand neben dem regelmäßigen Voltigiertraining auch in Reiten, Weidegang und regelmäßigen Longieren, damit die letzte Feinabstimmung zwischen Pferd und Longenführerin hergestellt werden konnte.

Isabella Spillatini (Italien) – Wenn der Verein nicht in der Nähe des Wohnortes ist

Die italienische Juniorin Isabella Spillantini ging in Le Mans im Einzelwettkampf an den Start. Erst vier Wochen vor Beginn des Championats hatte der italienische Verband die Nominierungen veröffentlicht, weshalb die Sommerplanung für das Team um Isabella mit einigen Schwierigkeiten verbunden war.

Auch ihr Weg zum Training erstreckte sich über 250 km, da in der Nähe von Isabellas Heimatort kein Club ansässig ist. Das Training mit Pferd konnte während der Schulzeit ausschließlich an den Wochenenden stattfinden. Unter der Woche trainiert die junge Sportlerin eigenständig an ihren körperlichen Voraussetzungen und dem Holzpferd in ihrem Elternhaus. Dort befindet sich auch ein kleiner Fitnessraum der alles Notwendige für ein gutes Workout beinhaltet. Zusätzlich besteht für sie die Möglichkeit auf ihrem eigenen galoppierenden Holzpferd Trainingseinheiten durchzuführen, wobei sie von Ihrer Mutter unterstützt wird.

In den Ferien wurde das Training intensiviert, da die Beschränkung auf das Wochenende entfiel und die Möglichkeit bestand, auch unter der Woche zu trainieren. In Vorbereitung auf die Europameisterschaft wurden Ende Juli zwei Wochen Intensivtraining abgehalten. Hierbei konnte Isabella täglich mit zwei Pferden trainieren und den Übungen den letzten Schliff verleihen. Ihr vierbeiniger Partner für Le Mans war der achtjährige Dublin der von Michela Callegari longiert wird und damit sein Debut bei einem Championat gab.

Seniorteam USA – Voltigieren ist ein Vollzeitjob

Den wohl größten logistischen Aufwand hatten die Turner und Turnerinnen aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Außer regelmäßigen Zeiten für das gemeinsame Training und einem passenden Flug musste auch ein Gruppenpferd innerhalb Europas gefunden werden auf welchem das Team starten konnte. Das eigentliche Gruppenpferd Pino del Rio konnte nicht nach Europa geflogen werden und stand für die Gruppe somit nicht zur Verfügung. Fündig wurden die Sportler zum wiederholten Male beim RVC Gilching in Bayern. Sie liehen das Pferd Amontillado, kurz Monty, welches sonst das Gilchinger Juniorteam trägt.

Die Gruppe war in diesem Jahr ein zusammengestelltes Team aus Top-Voltigierern des ganzen Landes. Sie trainierten bereits ein Jahr miteinander und intensivierten ihr Training über die Saison stetig. Obwohl zwei Team-Mitglieder im Juni verletzungsbedingt ausfielen, tat dies dem Teamtraining keinen Abbruch. Mit eingewechselten TurnernInnen wurde bis zu neun Stunden täglich trainiert um alles perfekt aufeinander abzustimmen bevor die Reise nach Europa begann.

Der letzte Schliff erfolgte dann in Gilching. Hier wurde für zwei Wochen noch einmal intensiv trainiert, bevor dann das Pferd, zusammen mit anderen, von einem professionellen Transportunternehmen nach Le Mans gefahren wurde. Die Voltigierer folgten ihrem vierbeinigen Partner per Flugzeug von München nach Paris.

Balázs Bence (Ungarn) – Fünf Stunden Trainingsweg

Nicht nur die Voltigierer aus den Vereinigten Staaten müssen sich regelmäßig auf Pferdesuche begeben, um bei internationalen Wettkämpfen starten zu können. Auch der Junioren-Europameister von 2014 Balász Bence stand in diesem Jahr wieder vor dieser Aufgabe. Er konnte nach Ermelo 2015 wieder auf dem slowakischem Pferd KCM Vaultinghorse Lord vom Club JK Rusty starten. Damit hatte Balász zwar ein Pferd, aber gleichzeitig auch eine Anfahrtszeit von fünf Stunden für jede Trainingseinheit.

Um in seinem Heimatclub nicht ausschließlich Trockeneinheiten auf dem Holzpferd zu haben, bestand für ihn die Möglichkeit auf Pferden die sich in Ausbildung bei seiner Trainerin Krisztina Villany befinden zu turnen. Dies war sogar für beide Seiten hilfreich. Als weitere Vorbereitung fand ein Trainingscamp mit Nicolas Andreani statt. Dies wurde nicht wie in den Jahren kurz vor dem Championat durchgeführt, sondern bereits im März diesen Jahres. Darauf aufbauend folgten noch mehrere Trainingswochenenden, welche allerdings im Gegensatz zu vergleichbaren Lehrgängen von den einzelnen Clubs selbst organisiert werden mussten.

Jana Bartoňková (Tschechien) – Zusammenarbeit mit der Slowakei

Unsere nächste Interviewpartnerin kam aus Tschechien. Auch Jana Bartoňková, welche im Seniorenbereich antritt, gab uns einen kleinen Einblick in ihren Weg nach Frankreich. Jana Bartoňková vertritt seit 2005 ihr Heimatland bei den Welt- und Europameisterschaften. Die Saison verlief für sie durchwachsen. Während sie das CVI3* in Frenstat pod Radhostem gewinnen konnte beendete sie das CVI in Pezniok mit dem neunten Rang. Eine Reihe von kleinen Fehlern führte zu diesem Resultat. Sie selbst sagt: „Ich denke, dort lief es ziemlich gut.“. Sekunden gaben jedoch Ausschlag dafür, dass sie keinen Platz unter den besten Fünf erreichen konnte. Sowohl im Technik-Test als auch in der Kür erfolgte ihr Abgang zu spät, was hohe Abzüge zur Folge hatte.

Das wöchentliche Training absolvierte sie in ihrem Club TJJ LUCKY Drasov. Es ist aufgrund einer fehlenden überdachten Trainingsstätte im Winter nur bedingt möglich, weshalb Jana in den kalten Monaten den Fokus auf Fitness- und Dehntraining legt. Im Sommer trainiert sie vier Mal in der Woche auf dem Pferd und zu Hause folgen weitere Dehn- und Fitnesseinheiten. Neben ihrem Training im Heimatverein kooperierte Jana in diesem Jahr auch mit einem slowakischen Club. Im VK Sundance Nitra wurde insbesondere an der technischen Ausführung von Übungen gefeilt. In der direkten Vorbereitung auf Le Mans wurde an kleinen Details des Wettkampfprogramms gearbeitet und Techniktraining absolviert.

Unterstützung für die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen und Le Mans erhält Jana von Sponsoren und dem Tschechien Pferdesportverband. Die wichtigste Hilfe ist für sie allerdings ihre Familie: „Aber ohne die Unterstützung meiner Familie wäre ich nicht in der Lage irgendetwas davon zu tun.“.

 

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Adele Feuerstein

I am Adele Feuerstein the founder of the blog. I used to vault & train teams in Germany. Now I am only an observer & love to share my knowledge about international vaulting with you.