Interview: Christian Trostel Über Seine Voltigierschuhe

Voltigierer selbst haben oft nicht viel Equipment. Meist ist es nur der Anzug und natürlich die Schläppchen. Bei denen ist es besonders wichtig, dass sie guten Halt auf dem Pferd geben. Wir haben Christian Trostel von “Trostel Sportschuhe” gefragt, was wichtig für seine handgefertigten Voltigierschuhe ist & wie sie das Familienunternehmen gründeten.

Woraus entstand die Idee spezielle Sportschuhe zu produzieren?

Als 1926 mein Ur-Großvater Emil Trostel anfing, Schuhe herzustellen, waren es primär Einzelanfertigungen für befreundete Sportler aus örtlichen Sportvereinen oder dem regionalen Bekanntenkreis. Die Sportler teilten meinem Ur-Großvater ihre besonderen Wünsche mit, und er nähte den Schuh. Das hat sich bis heute nicht geändert. Wir stellen inzwischen Schuhe im größeren Stil her, aber noch immer pflegen wir den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden, da uns die besonderen Wünsche und Bedürfnisse wichtig sind und wir daraus nur lernen können, Ideen zu verbessern und unsere Schuhe dem Zeitgeist oder auch veränderten sportlichen Disziplinen anzupassen.

Was unterscheidet Voltigierschuhe von Schuhen für andere Sportarten? Welche Anforderungen gibt es?

Da wir Schuhhersteller und keine Voltigier-Spezialisten sind, haben wir stets darauf geachtet, dass wir uns mit unserer Kundengruppe austauschen und ihre Wünsche und Erkenntnisse in unsere Arbeit einfließen lassen, um durch Veränderungen und ständige Anpassungen einen optimalen Voltigierschuh anbieten zu können. Dies beinhaltet besonders den Tragekomfort, den seitlichen Halt des Fußes im Schuh sowie die äußere Haftung während der sportlichen Ausübung. Die Sohlenhaftung ist hier ein wichtiges Thema und so verwenden wir die Sohlenstruktur, die sich im Laufe der Jahre als besonders vorteilhaft erwiesen hat. In den früheren Jahren waren immer Beschaffenheit und Qualität ein wesentliches Thema, in neuerer Zeit kommt hinzu, dass Kunden auch den optischen Aspekt individuell beeinflussen möchten. So kommen Vereine auf uns zu, die wünschen sich einen Voltigierschuh mit einem Einnäher aus dem gleichen Stoff und gleicher Farbe ihrer Vereinskleidung. Oder es wird gewünscht, dass auf dem Schuh der Vereinsname eingestickt wird. Das machen wir dann auch, denn wir wollen die Voltis nicht nur mit einem guten Schuh zum Erfolg führen, auch ein schönes Design trägt zur mentalen Haltung der Sportlerin oder des Sportlers bei.

Gibt es einen Markt (national oder international) für Voltigierschuhe? Ist es schwer, dort seinen Platz zu finden?

Selbstverständlich gibt es einen Markt für Voltigierschuhe, allerdings ist der nicht so breit gestreut wie eine Zielgruppe für beispielsweise Fußballschuhe. Vor dem Internetzeitalter haben wir den Kontakt zu Vereinen und Sportlern gepflegt, es sind klassische Geschäftsverbindungen entstanden – per Post und per Telefon, und das hat funktioniert. Und das machen wir heute noch so, seit dem digitalen Austausch ist das allerdings viel einfacher geworden, weil sich Gruppierungen weltweit sehr leicht kontaktieren können. So kommen Vereine oder Einzelkunden auf uns zu, und unsere Betreuung bleibt dabei individuell, wenn dies auch vielleicht auf Dauer wegen der Vielzahl von Anfragen nicht immer so sein wird. Wir haben sehr lange unsere Schuhe nicht durch Online-Verkauf angeboten, was sich jetzt aber ändern wird. Wir eröffnen demnächst unseren E-Shop für TROSTEL-Sportschuhe, aber individuelle Anfragen möchten wir trotzdem weiterhin persönlich betreuen. Wir denken, das ist die richtige Mischung, um mit Voltigierschuhen auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Und der Kunde darf sich überlegen: Kauf ich einen Voltigierschuh von der Stange oder von Trostel?

Welche Varianten sind möglich? Welche Ideen kommen von den Voltigierern selbst?

Wie schon gesagt, tauschen wir uns intensiv mit Voltigier-Sportlern aus. Wenn wir selbst neue Ideen einbringen, werden die zuerst ausgiebig getestet. Viele Ideen kommen vom Kunden, und das ist unsere Basis für gute Arbeit. Derzeitige Varianten sind unsere klassischen Voltigierschuhe und die Voltigierstiefel. Dies hat sich bewährt. Für weitere Varianten hat sich bis jetzt kein Markt gezeigt. Wenn aber ein Kunde eine völlig andere Variante wünscht, haben wir dafür ein offenes Ohr.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Ist die Idee / Technologie noch dieselbe?

Verändert hat sich der Wunsch, dass Voltigierschuhe auch schick und modern aussehen dürfen. Das merken wir an unseren Kundenwünschen für Vereinsausführungen in jeweiligen Farben, Materialien und individuellen Namensstickereien. Derzeit haben wir die Technologie unserer Basisschuhe nicht mehr verändert, weil sich das Material und die Schuhstruktur als gut erwiesen haben. Wenn neue Materialien auf den Markt kommen, die sich als vorteilhaft zeigen, denken wir immer über Veränderungen und Erneuerungen nach.

Wie wird der Voltigierschuh der Zukunft aussehen? Was ist gefragter, mehr Stabilität für den Fuß oder das “Barfußgefühl” um dem Pferd näher zu sein?

Die Zukunft können wir nicht einschätzen, wenn irgendwie noch mehr Stabilität möglich ist, machen wir das. Der klassische Volitigierschuh wird immer wichtig bleiben, das “Barfußgefühl” ist oftmals ein individuelles Thema in bestimmten Vereinen oder Gruppierungen. Wir denken, mit guten Schuhen kann man dem Pferd auch sehr nahe sein. Und nicht letztendlich ist die Sicherheit beim Sport sehr wichtig, und das ist ein guter Halt. Der Voltigierschuh der Zukunft wird vielleicht noch bunter, aber das überlassen wir den Wünschen unserer kreativen und engagierten Sportler. Wir würden es gerne, aber das Pferd können wir nicht fragen.

Vielen Dank an Christian, wir haben viel gelernt, und an Margaret, die das Interview ins Englische übersetzte.

Adele Feuerstein

I am Adele Feuerstein the founder of the blog. I used to vault & train teams in Germany. Now I am only an observer & love to share my knowledge about international vaulting with you.